Zum Brand in Ellerndorf im Jahre 31.7.1889

 

Zusammengetragen von Thomas Baltz, Ellerndorf

 

 

 

Die zu abgedruckten Texte sind Auszüge aus nachfolgenden Quellen:

 

1.    Chronik Pastor Habenicht um 1910; Pfarramt Eimke

2.    Akte 13/56-14.1  Ellerndorf im Kreisarchiv Uelzen

3.    Akte 13/56-14.2  Ellerndorf im Kreisarchiv Uelzen

4.    Matthias Blazek: Hexenprozesse und Kriminaljustiz

 

Die Texte erlauben ua einen Einblick in die Polizeiarbeit der Behörden in damaliger Zeit. Sie zeigen ebenfalls, dass evtl Vergehen von Feuerwehrkameraden nachgegangen wurde, die Ausführung von Rauchabzügen überwacht wurde, aber auch, dass Anwohner der Dörfer sich gegenseitig beschuldigten. Letzteres erfolgte ua in Form einer „anonymen Eingabe“, in diesem Falle erst knapp ein Jahr nach dem Brandgeschehen.

 

Kursiv gedruckte Zeilen beinhalten Kommentare und sind nicht Bestandteile zitierter Textinhalte. Schreibweisen der damaligen Zeit und evt Rechtschreibfehler sind beibehalten worden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auszug aus der Chronik Pastor Habenicht, Eimke,  um 1910

 

 

 

Beispiel aus der Chronik Pastor Habenicht um 1910

(letzter Absatz): „Wer die Heimat nicht liebt und die Heimat nicht ehrt, ist ein Lump und des Glückes in der Heimat nicht wert“

 

 

Ellerndorf liegt am Ellerbach, wurde früher Ellemdorf und in

alten Urkunden Elleringsdorf genannt. 1800 waren 6 Hausstellen

darin, es gehörte damals zum Amte Bodenteiche. Die von Bodenteich

sind in alten Zeiten Herren dieses Dorfes gewesen, haben es aber im

Jahre 1403 mit den Zehnten (Abgabe 10%) und allen Gerichten (Recht und Gesetz) an den Probst des Klosters Ebstorf für 210 Pfund verkauft, später ist es an die von Weyhe in Eimke übergegangen. Eine genaue Zeit dieses Ueberganges ist nicht mehr festzustellen.

 

Ellerndorf hat bis zum Jahre 1889 den alten echten niedersächischen

Charakter, soweit er noch in den mit Stroh gedeckten Häusern in ihrer Eigenart zum Ausdruck kommt, gewahrt. Der 31 Juli 1889 hat eine neue Zeitperiode über Ellerndorf heraufgeführt.

 

Es wurden an dem Tage  nämlich in dem kurzen Zeitraum von 1 ½ Stunden 3 Wohngebäude und 14 Nebengebäude ein Raub der Flammen. Die angestellten Löschversuche der Feuerwehr zu Eimke waren erfolglos, zumal auch aus dem Grunde, weil während des Brandes der Wind eine andere Richtung einnahm.

 

Doch es erwuchs neues Leben aus den Ruinen. Schon im Jahre 1890 standen auf den abgebrannten Stellen des Hofbesitzers Kohlmeyer massive Wohn- und Nebengebäude; im selben Jahre baute auch Hofbes. Munstermann (heute Fam Zierenberg) wieder auf; er errichtete auf der alten Hofstelle jedoch nur eine Scheune und an einer anderen Stelle (heute Fam Heindorf, Baltz) ein einfaches kleines Wohnhaus. Später hat er an die Scheune ein kleines Wohnhaus noch angebaut. Sein Hof ist um 1900 an den Kaufmann Betzold aus Magdeburg verkauft worden.

 

Bis 1900 lag das gesamte Dorf links von der Straße nach Ebstorf, als erster baute auf der rechten Seite von dieser Straße an der Zimmerer August Buhr (welche Hofstelle), ihm folgte der Arbeiter Stoltmann (welche Hofstelle) und demselben der Zimmerer Wilhelm Schulenburg (welche Hofstelle). Seit der Zeit gilt von Ellerndorf, wie mir einmal mein Fuhrmann sagte:“ De Ellerndörper sünd nu ok klauk worn, nu backt se den Pannkauken up beiden Siden“.

 

Die beiden Seiten aber sind rechts und links von der Straße nach Ebstorf. Von den Hauswirten haben dann neue und massive Wohnhäuser mit Nebengebäuden aufgeführt zuerst Hartwig Munstermann (heute Fam Henning Munstermann), dann der Gemeindevorsteher Otte (heute Fam Doose) u. zuletzt August Steincke (heute Ehep Claussen).

 

Otte u. Steincke haben jedoch ihr altes strohgedecktes Haus stehen lassen und im Anschluss an derselben neu gebaut.

 

Einige alte sehr schöne Katen sind noch vorhanden, deren jede für 4 Familien bestimmt ist und der alten niedersächsischen Art entspricht.

Die schönste ist wohl die von Hartwig Munstermann, in der  zB eine Familie, nämlich der Imker Röper, nun bereits 35 Jahre mit seiner Familie wohnt und nur 1 Stube, 1 Kammer, Teil an der offenen Feuer-

stelle und einige selbst auf eigene Kosten errichtete kleine Stallgebäude zur Verfügung hat. Er wäre wohl in der Lage, ein eigenes Wohnhaus sich zu erbauen; aber das alte Liebgewonnene lässt seine Anziehungskraft nicht.

 

Ein Vorteil wird in diesen 4 Familien heute sehr geschätzt: Sonntags können alle Hausgenossen den Gottesdienst besuchen bis auf einen, der als Hüter der Häuser und der auf denselben zubereitenden Speisen „einhüten“ muss. Nur der Friede, der unter den Hausgenossen wohnt, ermöglicht solches füreinander – Arbeiten.-

 

 

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Akte 13/56-14.1  Ellerndorf im Kreisarchiv Uelzen

 

 

 Beispiel aus der Akte 13/56-14.1 

Ellerndorf  im Kreisarchiv   Uelzen

 

 

 

 

 

Registriert Oldenstadt, 1. August 1889

 

Nachdem gestern nachmittag zur Kenntnis des Unterzeichneten gelangt war, daß in Ellerndorf ein größeres Feuer ausgebrochen sei, begab derselbe sich sofort dahin und konstatirte [feststellen] das Folgende: 

 

Um 1 Uhr Mittags etwa ist in dem Wohnhause des Gastwirths Munstermann (welche Hofstelle) Feuer ausgebrochen, welches sich mit großer Schnelligkeit auf die umliegenden Gebäude verbreitete und, der Windrichtung folgend, binnen kurzer Zeit 3 Wohnhäuser und 14 Nebengebäude die, sämmtlich mit Stroh gedeckt, total einäscherte.

 

Menschen und Vieh sind nicht zu Schaden gekommen, dagegen ist das Mobiliar fast ganz und die soeben erst eingebrachte Roggenernte vollständig zerstört. Die Gebäude waren sämmtlich, die Mobiliar und Erntevorräte der Eigenthümer zum Theil versichert. Unversichert waren 4 abgebrannte bezw. vom Brand betroffene Häuslinge, welche alles verloren haben, sodaß dieselben vom Brande hart betroffen worden sind. Für die Unterbringung der abgebrannten  Familien ist Sorge getragen.

[...]

Die Gendarmen Brandt Ebstorf und Bullerjahn Suderburg waren zur Stelle, letzterer wurde zur Dienstleistung auf der Brandstelle für den 31.7. u. 1.8. kommandiert. Bezüglich der Unterbringung der abgebrannten Familien, Ablöschung der Brandstellen, Aufstellung der Brandwache für die Nacht, Heranschaffen von Wasser, Verpflegung der Löschmannschaften wurden von mir [in] geeignete und nothwendige Anordnungen getroffen.

 

Ueber die Brandursache wurden sofort Ermittelungen eingeleitet. Wie bereits erwähnt, ist das Feuer beim Gastwirth Munstermann ausgebrochen. Derselbe bewohnte ein altes mit Stroh gedecktes Haus ohne Schornstein-Anlage. Nach Aussage des Genannten ist er mit den Pferden auf den Hof gezogen, nachdem er ein Fuder Stroh weggebracht, u. hat bemerkt, daß aus den nördlichen Giebelloch eine dicke Rauchwolke herangequollen ist. Ehe er Leute herbei rufen konnte, sind schon mit größter Schnelligkeit die Flammen oben an den First herübergeschlagen u. haben das Gebäude binnen kürzester Zeit erfasst, sodaß man sich auf die Rettung des Viehes hat beschränken müssen.

 

Im Hause sind zur Zeit des Ausbruchs des Brandes  die Frau des Munstermann und eine alte Mutter gewesen, welche von dem Feuer erst durch den Lärm in Kenntniß gesetzt sind. Die übrigen Leute des Munstermann haben in der Scheune gedroschen.

 

Der Boden des Munstermannschen Hauses ist fast leer gewesen. Auf demselben befand sich nur eine Knechtskammer über dem Pferdestall, welche den Tag über nicht betreten worden ist. Bei Ausbruch des Brandes soll auch niemand auf dem Boden gewesen sein. Ueber der sog. Küche mit offenem Herdfeuer war der Boden gewellert [dicht beschichtet] und völlig dicht.

 

Munstermann befindet sich in schlechten Vermögensverhältnissen.

Er hat nach eigener Angabe 42000 M Hypothekschulden und hält 2 Pferde, 5 St. Rindvieh und 300 Schafe. Einen Theil des Hofes hat er verpachtet. Es soll die Ernte verpfändet sein, man glaubte, dass Erekutionen vor der Thür standen.

 

Als in den Nachbargemeinden das Feuer bekannt geworden ist, hat man ausgerufen,: “Das ist gewiß bei Munstermann.“ Die Versicherungssumme desselben konnte nicht festgestellt werden, da Munstermann seine Policen behuf [zum Vorteil] einer Credit-Operation der Landes-Credit Anstalt eingereicht hat. Seiner Angabe nach beträgt die Versicherungssumme etwa für Gebäude 18000-20000 M, für Mobilien 10000–12000 M.

                                   Zur Beglaubigung

                                                Goebel

                                                        Kreisserretair

                                                        i. A. des Landraths

 

 

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10. te Gendarmerie, Brigade

Lüneburger Offizier District

               Kelgener Beritz

 

Anzeige  betrifft Feuer in Ellerndorf

 

        An

das Königliche Landrathsamt

                     zu

                          Oldenstadt

 

Dem Königlichen Landrathsamte zeige ich gehorsamst an, daß am 31ten Juli  im Wohnhause des Gastwirths Munstermann in Ellerndorf  Feuer ausgebrochen, und somit 3 Wohnhäuser und 14 Nebengebäude abgebrannt sind. Das Feuer ist nachmittags 12 ½ Uhr im Wohngebäude über den Stuben und Kämmern des Gastwirths Munstermann ausgebrochen,

 

der Gastwirth Munstermann ist am genannten Vormittage im Nebengebäude mit seinem Vater, Frau und Neffen ferner Knecht und Dienstmagd mit Maschinen beschäftigt gewesen, die Ehefrau Munstermann ferner die Dienstmagd Frieda Munstermann sind gegen 12 Uhr ins Wohnhaus gegangen. Letztere hat Kühe gemolken, und die Ehefrau Munstermann hat sich in der Küche beschäftigt, beide wollen vom Feuer im Hause nichts gesehen haben.

 

Der Gastwirth Munstermann hat soeben ein Fuder Stroh mit seinem Dienstknecht Heinrich Buhr fortgefahren, der Buhr bleibt in seiner Wohnung, daselbst das Stroh abgeladen werden soll, Munstermann zieht mit beiden losen  Pferden zurück nach seinem Hof, und sieht, als er auf seinen Hof kommt, Rauch aus dem Wohnhause ziehen, er bindet seine beiden Pferde an einen Baum und läuft ins Haus und ruft seiner Frau und Dienstmagd, Feuer zu, er rät beide fort zulaufen, inzwischen ist das Dach auf dem Stubenende bereits durch gebrannt, der Knecht des Munstermann und Neffe haben zugleicher Zeit das Feuer von der Scheune aus gesehen  und sind herbei geeilt um zu helfen

 

bei dem starken Winde, hat das Feuer zu schnell um sich gegriffen, dass in einer ½ Stunde sämmtliche 17 Gebäude in Flammen gestanden haben und es hat daher nichts gerettet werden können, als nur Menschen und Vieh, alles andere ist genzlich verbrannt. Das Feuer hat vom Munstermannschen Wohnhause das Nebengebäude und dann die Nebengebäude des Hofbesitzers Kohlmeyer und dessen beiden Wohngebäude ergriffen.

 

Auskunft über die Entstehung des Feuers kann keiner geben, es liegt jedenfalls Brandstiftung vor. Der Hof des Munstermann ist sehr stark verschuldet.

 

Die Spritzen waren sogleich zur Stelle aus:

Eimke      

Bohlsen

Gerdau     

Wriedel

Dreilingen

 

Nachstehende Ortschaften hatten Löschmannschaften gestellt Eimke, Dreilingen, Wichtenbeck, Gerdau, Gr Süstedt, Bohlsen, Brambostel, Lintzel, Linden, Brockhöfe, Wriedel, Allenbostel, Bode, Bargfeld. Die Löschhülfe ist ordentlich geleitet.

 

Verbrannt sind 17 Gebäude, sämmtliches Mobiliar und Früchte in Werthe von 10000 Mark. Versichert hat Munstermann Gebäude in der Schlesischen-Feuer-Versicherungs-Geselschaft zu Breslau mit 17750 Mark. Mobiliar in Achener und Münchener mit 2900 M. Die eigentlichen Hausgeräthe sind nur zum halben Werth versichert. Ackergeräthe und Maschinen sind nicht versichert. Kohlmeyer hat in der landwirthschaftlichen Brandkasse versichert, Gebäude mit 13000 M Früchte mit 20000 M Mobiliar mit 1000 M.

 

                     Brandt

           berittener Gendarm

   der 10ten Gendarmerie Brigade

 

 

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Oldenstadt, 2. August 1889

 

Br.m.??? an den Herrn

Gendarm Brandt

                Ebstorf

 

zur Kenntnißnahme und sofortigen weiteren Ermittelung, soweit solche noch nicht erfolgt sein sollte. Insbesondere wollen Sie genau feststellen, ob die Angaben des Munstermann zutreffend sind, ob die übrigen Personen, die sich an dem Tage auf dem Munstermannschen Hofe befanden, nichts Verdächtiges bemerkt haben, ob der Knecht seine Schlafkammer betreten oder überhaupt Jemand den Boden betreten hat Das Resultat ist sicher zu berichten.

                  Der Landrath

                          I.A.

                                Goebel 

 

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Brm. dem Könliglichen Landrathsamte mit Bericht gehorsamst zurück gereicht, dass die Aussagen sämmtlicher Personen im Munstermannschen Hause, desgleichen des Behrens denen von Munstermann angegebenen Aussagen übereinstimmt.

 

Der Knecht hat seine Schlafstelle um 12 Uhr betreten, um daselbst seinen Reit, welchen er bei sich mit vom Felde geführt hat abzulegen, ist dann sogleich von Munstermann gerufen worden, um Stroh abzuladen. Die Schlafstelle des Knechts befand sich in unteren Hauszirkel, das Feuer ist aber im oberen Hausende ausgebrochen. Fremde Personen sind am genannten Tage auf dem Munstermannschen Hofe nicht gesehen worden, es hat auch keiner von den in Frage stehenden Personen etwas verdächtiges gemerkt. Die alte 60 jährige Mutter des Munstermann ist den ganzen Morgen im Hause gewesen hat ebenfalls nichts gemerkt.

 

   Ebstorf, den 4ten August

                    Brandt

         berittener Gendarm

 

 

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Verhandelt Oldenstadt, den 7. August 1889

 

Der heute hier anwesende Gastwirth Munstermann aus Ellerndorf wurde weiter bezüglich des Brandes dars. am 31. v. M. vernommen wie folgt.

 

Am 31. v. M. wurde bei mir mit dem Göpel gedroschen. Es waren dabei außer mir beschäftigt mein Vater, Altentheiler Heinr. Christoph Munstermann , mein Neffe, der Schlachtergesell Ernst Munstermann (welcher bei mir z. Zt. auf Besuch ist), mein Knecht Heinr. Buhr, meine Frau u. meine Dienstmagd  Frieda Munstermann.

 

Um 12 Uhr etwa wollte ich das Stroh und den Roggen meines Knechts Buhr, welcher am Tage vorher in meiner Scheune seinen Roggen gedroschen hatte, nach dessen Hause bringen. Als ich vom Hofe fuhr, kam mir mein Schäfer Heinr.  Diefenthal entgegen  (er kam vom Schafehüten zurück) welchen ich beauftragte, mit nach der Wohnung des Knechts Buhr zu gehen u. demselben beim Abladen des Strohs gg zu helfen, was er auch gethan hat.

 

Als ich vom Hause meines Knechts zurückkam u. die Pferde in den  Stall ziehen wollte, bemerkte ich die starke Rauchwolke, welche aus dem nördlichen Hausgiebel drängte. Auf meinen Hülferuf kamen aus der Scheune, in welcher gedroschen war, mein  Vater u. mein Neffe angelaufen, während der Pächter Behrens von meinem, dem Hofe gegenüber liegenden kleinen Hause herbeieilte. Das Dienstmädchen war während meiner Abwesenheit ins Haus zum Melken gegangen, während meine Frau inzwischen zur Besorgung des Mittagsbrots ins Haus gegangen war. Meine Mutter hatte sich den ganzen Vormittag über mit den kleinen Kindern unter 7 Jahren im Hause aufgehalten.

 

Mir ist die Brandursache unerklärlich, es sind mir irgend welche Anhaltspunkte nicht bekannt geworden.

 

  Zur Beglaubigung

                Goebel

                        Kreisserretair

 

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Der Erste Staatsanwalt                                                                Lüneburg, den 1. Oktober 1889

auch für Kohlmeyer !

 

 

 

In der Untersuchungssache betreffend den Brand des Hauses des Gastwirths Munstermann in Ellerndorf, theile ich dem Königlichen Herrn Landrath unter Uebersendung der mit Schreiben von Munstermann übersandten Anlagen ergebenst mit, daß der Auszahlung der Versicherungsgelder diesseits Bedenken nicht entgegenstehen.

 

                 i.A.

                   Günther

 

 

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O. den 7. Oktober 1889

Dem Gastwirth Munstermann in Ellerndorf ist die vorschriftsmäßige Bescheinigung zu ertheilen. sowie dem Hofbesitzer Kohlmeyer das.

                         Der Landr.     

                      T.

 

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 An

den Königlichen Herrn

        Landrath

               In

           Oldenstadt

 

                               Vhg

 

I.                   Das Verfahren wird eingestellt,

da die Entstehungsursache des

Brandes nicht festzustellen ge-

wesen ist.

 

II.                 K  L

    Dem Köngl. Herrn Landrath

                                zu

                                     Oldenstadt

 

zur gefl. Kenntnißnahme erg.

vorzulegen.

         Lüneburg, den 12. Februar 1890

                   Der Erste Staatsanwalt

                        I.A.

                          gez Günther

 

 

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Oldenstadt, 2. Juni 1890

I.                   6023

 

Br m t l r  an den Herrn Gendarm

                                                                                              Brandt

                                                                                                      zu

                                                                                                         Ebstorf

 

zur vorsichtigen Recherche, auch nach dem Schreiber der anonymen Eingabe.

                        Der Landrath

                                 I.A.

                                      Goebel

 

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Br m dem Königlichen Landrathsamte mit Bericht gehorsamst zurück gereicht, daß der Schreiber des anonymen Briefes  bis jetzt hat nicht ermittelt werden können. Die Angaben, dass der Schäfer des Munstermann nicht im Verhör gewesen sein soll, beruhen auf Unwa[h]rheit. Der Munstermannsche Schäfer Dieventhal ist vom Unterzeichneten mehrere Male nach der Entstehung des Brandes befragt worden, konnte auch keine Anhaltsgründe angeben.

              

Ebstorf, den 3ten Juli 1890

                                  Brandt

                       berittener Gendarm 

 

 

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Oldenstadt 5. Juli 1890

 

Br m t p r an den Herrn Gendarm

                Brandt

                                               Ebstorf

 

zur vorsichtigen Recherche, ob es wahr ist, daß der Schäfer wirklich seine Sachen aus dem Hause getragen hat, ehe andere Personen von dem Feuer etwas gesehen haben.

 

                          Der Landrath

                             von Turhoppe

 

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Brm dem Königlichen Landrathsamte mit Bericht gehorsamst zurück gereicht daß der Schäfer des Munstermann seine Sachen nicht vor dem Feuer, sondern erst während des Brandes aus dem Hause geholt hat. Der Schäfer ist beim Ausbruch des Feuers nicht auf der Hofstelle gewesen, er war beim Strohabtragen beschäftigt.

 

                       Ebstorf, 31ten Juli 1890

                                   Brandt

                        berittener Gendarm

 

 

 

 

                          ad acta

                             D.L.

 

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Und hier die “anonyme Eingabe”:

 

Erste Seite der “anonymen Eingabe”

 

 

       Gruss

      aus der

Lüneburger Heide

 

 

         An das Königliche

          Landrathsamt in

                        Uelzen

 

Es ist am 31. Juli 1889 Mittags 12 Uhr auf dem Hofe des Gastwirths Munstermann in Ellerndorf bei Ebstorf  dessen Wohnhaus Feuer ausgebrochen wodurch 2 Höfe vollständig eingeäschert sind.

 

Es sind die Leute auf dem Hofe alle sämmtlich  im Verhör gekommen

und genau ausgefragt worden.

 

Aber der Munstermann sein Schäfer ist nicht mit im Verhör gekommen u nicht ausgefragt worden.

 

Der Schäfer ist an dem Tage des Mittags bedeutend früher zu Hause gegangen als wie sonst. Sein Schlaft-Zimmer hat Er unter im Hause bei die großen Missen-Thür  oben auf dem Pferde-Stall gehabt.

 

Er ist da gleich so wie es sich jetz heraus gestellt hat, gleich auf sein Schlaft-Zimmer gegangen und Oben [vmtl über] sein Schlaft-Zimmer

hat Munstermann sein Roggen auf dem Boden in  Garben liegen gehabt.

Ganze kurzer Zeit nachher wie der Schäfer auf sein  Schlaft-Zimmer gewesen ist, ist Oben [vmtl über] sein Zimmer auf dem Boden in Roggen

schnell Feuer aufgegangen.

 

Der Schäfer hat vorher eher die anderen Leute das Feuer gemerkt haben, seine Sachen schon immer von sein Schlafkammer hinausgetragen. Ich glaube es nun ganz fest und ganz gewisset, die Anzündung des Feuers hat der Schäfer gethan. Er ist ein böser Buben durch und durch., sein linker Arm ist Ihm abgenommen worden u dient jetz als Schäfer bei Hauswirth Kohlmeyer in Ellerndorf.

 

Ich Bitte das Königl. Landrathsamt Uelzen diesem Schäfer gleich im Haft und genau im Verhör zu nehmen.

 

Gethan hat er die Anzündung das ist ganz gewisset

 

 

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Akte 13/56-14.2  Ellerndorf im Kreisarchiv Uelzen

 

 

Dem Vernehmen nach sollen gele-

gentlich des am gestrigen Tage in Ellern-

dorf stattgefundenen Brandes einzelne

Löschmannschaften ohne Genehmigung des

betroffenen Gemeindevorstehers oder des

Bezirksgendarmen die Brandstelle vorzeitig

Verlassen haben. Sie werden daher veran-

laßt, festzustellen, welche Personen der

dortigen Gemeinde etwa hier in Frage

kommen. Dieselben sind mir sofort

namhaft zu machen, und ist dabei anzu-

geben, aus welchen Gründen von diesen

die Brandstelle verlassen ist.

 

                      Der Landrath

                               I.A.

                                 Goebel

 

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Die Brandstelle in Ellerndorf hat

hier aus Eimke nur der Dienst-

knecht Fritz Munstermann ohne

Erlaubniß verlassen. Der Grund ist

wohl das er sich gegen die Gerdauer

Löschmannschaft und mit Daselben

in Streit gekommen ist und behauptet

hat das er Schläge von denselben einfing.

Auch ging er auf die Brandstelle

herrum und rauchte Zigarren.

Ich befahl ihm das er sollte keine

Zigarren Rauchen sondern mit

an der Pumpe arbeiten was er

auch that aber seine Zigarre

ließ er doch nicht ausgehen.

 

               Eimke, den 2 August 1889

                        Der Gemeindevorsteher

                                 W. Stehr

 

 

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1.      An

Herrn Hofbesitzer Kohlmeyer

                          zu

                                Ellerndorf

 

Postzustellungs-Urkunde

 

 

F binnen 4 Wochen nach Empfang

dieser Verfügung (den)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2.      An

Herrn Gendarm Brandt

                           zu

                              Ebstorf

O[ldenstadt], 2.I[Januar].[18]90

 

 

 

Nach einer Anzeige des Bezirks-

Gendarmen ist in Ihrem neu

erbauten Wohnhause der Schorn-

stein nicht aus dem Dache ge-

führt  sondern nur bis zum

Boden geführt. Diese Anlage ist nach

§ 17 (?) der Lüneb. Feuerordnung

unzulässig. Ich veranlasse Sie,

die unvorschriftsmäßige Anlage

den Vorschriften der Feuerordnung

entsprechend herzurichten, widrigen-

falls ich Sie auf Grund des § 43

l.c. (?) in Strafe nehmen und die

unvorschriftsmäßige Anlage auf

Ihre Kosten durch Dritte beseiti-

gen lassen werde.

 

Abschrift (von I) erhalten Sie

zur Kenntnißnahme und weite-

rem Berichte binnen 5 Wochen

 

3        Nat. Term. 5 Wochen

              D. L.

                    T.

  [Walter von Tzschoppe; Landrat 1889-1897]

           

 

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Matthias Blazek: Hexenprozesse und Kriminaljustiz

 

 

Was wäre einem erwischten Brandstifter passiert?

 

 

So heißt es bei Matthias Blazek: Hexenprozesse und Kriminaljustiz

 

 

1)    um 1800: Brand durch leichtfertigen Umgang mit offenem Feuer: Staupenschläge und auf ewig des Landes verwiesen

 

2)    Verstoß der Bauhandwerker gegen die feuerpolizeilichen Vorschriften: lebenslange Karrenstrafe in Lüneburg am Kalkberg. Der Häftling war an einem Karren gekettet, galt als härteste Strafe nach der Todesstrafe.

 

3)     Diebstahl von Löschgerät: Enthauptung

 

4)    um 1700: vorsätzliche Brandstiftung: „die boshaften Brenner sollen mit dem Feuer vom Leben zum Tode gerichtet werden“. Später, als besondere Gnade, Enthauptung durch Schwert und anschließende Verbrennung der Leiche